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In der Landschaft namens Zips

Der Popper hat sich als einziger der in der Slowakei entspringenden Flüsse entschieden, das Land nicht in Richtung Schwarzes Meer zu verlassen. Auf seinen noch nicht einmal zweihundert Kilometern von der Quelle am eiszeitlichen Großen Hinzensee zur Mündung in den polnischen Dunajec durchfließt er eine eigentümliche und ebenso liebliche wie seltsame Landschaft. Sie trägt den Namen Zips.

Dies sind Skizzen dieser Landschaft. Wir treffen Tiere und Menschen dieser Landschaft. Wir treffen mit eigenartiger Mundart sprechende altsächsische Karpatenbewohner. Wir treffen den spätgotischen Meister Paul, spätmoderne Wagonbauer, spätamerikanische Waschmaschinen, spätkakanische  Österreicher, spätsozialistische Hotelruinen und in der Spätkrise kreditverschuldete Fahrer großer Automobile aus süddeutscher Produktion. Wir treffen aber auch eine alte Baronesse und ihren zwischen Paris, Budapest, Wien und dem Familienschloss in der Zips lebenden Onkel Ladislaus. Wir treffen Folkloristen und Filmemacher, einen Maurer, preisgekrönte Taubenzüchter, eine Frau im Jeansanzug und einen jungen Schreiner, der sich auf nach Hollywood macht.

In der Landschaft namens Zips entlang des Poppers lebten einstmals viele Völker: Slowaken, Roma, Ungarn, Deutsche, Juden, Rusinen, Polen, Vietnamesen, Sachsen, Mongolen und Goralen. Auf dem Spaziergang durch die Welt am Fluss Popper treffen wir sie alle. Eine ebenso romantische wie tragische Zeitreise, ein Sprung über den Popper – vom Tatarensturm zur postsozialistischen Postmoderne, zurück zur Gotik und hinein mitten in die Gegenwart.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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